Die Wahrheit ist…

… Tag X ist vorüber, ich bin nun einer von ihnen. Die Wahrheit ist…  unermüdlich habe ich eineinhalb Jahre versucht, emotional mit dieser Erkenntnis Frieden zu schließen, was nicht immer leicht war und mir bis heute nicht richtig gelungen ist. Nun klebt sie an mir, diese Zahl. Gnadenlos. Fünfzig! Ein halbes Jahrhundert. Ab sofort gehöre ich offiziell zur Altersgruppe der Best Ager.

Wie geht es weiter?

Natürlich genauso wie gestern, letzte Woche, letzten Monat. Ganz sicher aber nicht wie noch vor fünf Jahren…

Vor fünf Jahren war die Welt noch in Ordnung. Die Knie trugen die gewohnte Belastung, Lesen war auch ohne Brille noch möglich. Die Haut war, naja, „glatt“, die Entwicklung der Kinder ließ mir plötzlich Freiheiten, von denen ich lange Jahre nur geträumt hatte. In meiner Vorstellung war ich die erste Frau in der Evolution der Menschheit, an der die Veränderungen vorbei gehen würden. Da war ich sicher.

Heute, fünf Jahre später, ist klar, dass ich mich geirrt hatte. Joggen, so wie ich es mir wünsche, führt zu dauerhaften Knieschmerzen, ohne Brille sehe ich selbst mein Frühstücksei nur noch undeutlich und der erste Uniabschluss der Tochter oder die bestandene Motorradprüfung des Sohnes machen mich zwar stolz und glücklich, lassen mich aber auch spüren, dass das Grobe erledigt ist. Hier und da noch ein bisschen Feintuning, ansonsten nur noch „Trösten“ oder Beraten.

Natürlich ist das toll! Das weiß ich doch. Wären da nicht diese Stimmungsschwankungen, diese Freude und Traurigkeit innerhalb eines Atemzuges, die beginnenden körperlichen Grenzen, das Ding mit der Haut und die Tatsache, dass zu kurze Nächte nicht mehr einfach so an mir vorbei gehen.

Ich denke an meine Kursteilnehmer, die ich vor Jahren unterrichtet habe. Diejenigen, die damals die 50+-Grenze bereits geknackt hatten, und die sich wünschten, dass

  • ich keinen Unterschied zwischen ihnen und den jüngeren Teilnehmern im Training mache und
  • die Kursbezeichnung nicht sofort auf ihr Alter hinwies (Fit 50+…)

Ihr Lieben, heute kann ich euch sehr gut verstehen, aber…

Die Wahrheit ist

Es gibt sie, die Unterschiede! Plötzlich kommt der Moment, an dem es immer weniger um Leistung, sondern viel mehr um Bewegung im Allgemeinen geht,  um den Erhalt der Beweglichkeit, um das grundlegende Wohlbefinden, was es leichter macht, mit den Veränderungen umzugehen und den Status Quo so lange wie möglich zu halten. Von welchen Veränderungen ich rede, habe ich in einem Gastbeitrag für den Fitnessblog Comuvo zusammengefasst. Lest gerne mal rein.

Fazit

Ich hab´ die Grenze geknackt, aber

  • als ich morgens in den Spiegel schaute, sah ich noch genauso aus wie am Vortag,
  • keiner auf der Straße hat mir mein Dilemma angesehen und
  • die Bedienung im Frühstückscafé hat mich trotzdem noch geduzt.

Es geht weiter wie gestern und letzte Woche. Ich bin doch voller Energie, liebe meine Arbeit, habe eine fantastische Familie.

Ich werde zwar auf die Frage nach meinem Alter noch eine Zeit lang ausweichen und an meiner Akzeptanz arbeiten müssen, aber ein anderer Teil in mir freut sich auf den Weg. Auf das, was kommen wird, auf die neuen Freiheiten, aber auch auf die neuen Herausforderungen. Jetzt geht´s nochmal richtig los, und das mit dem großen Unterschied, dass das Mittagsschläfchen seine Berechtigung hat und die grauen Haare einfach kommen dürfen.

Eines weiß ich genau. Ich möchte diejenigen, die sich ähnlich fühlen und manchmal frustriert sind, mitnehmen. Gemeinsam werden wir weiterhin ein bewegtes Leben führen. Oder ihr fangt einfach jetzt damit an, denn es ist niemals zu spät und für jeden ist etwas dabei! Schließlich sind wir in den „besten Jahren“, machen wir also auch das beste daraus. Nutzen wir unseren Elan, bündeln unsere Energie und schlagen den Veränderungen ein Schnippchen – auf unsere ganz besondere Weise.

Sattelt die Sportschuhe, lächelt über das Zwicken im Zeh oder in der Schulter und wisset, dass Joggen überbewertet wird. Lasst die gute Laune zum ständigen Begleiter werden, die individuell geeignete Sportart finden und immer wieder Freude an diesem bewegten Leben haben. Es lohnt sich!

Und wenn Du in einer ähnlichen Situation bist, würde ich mich über deine Erfahrungen in den Kommentaren freuen!

 

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